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ipCompetence Vol.6

17 17 3. Microstock-Agenturen In jüngster Zeit hat sich der Ankauf von Bildmaterial über sog Microstock-Agenturen etabliert. Nicht nur Privatper- sonen greifen auf diese riesigen und preiswerten Bilder- pools zu, sondern auch zunehmend renommierte Unter- nehmen. Dabei handelt es sich kurz zusammengefasst darum, dass von Profis und auch von Hobbyfotografen digitale Bilder auf Vorrat produziert werden, um sie dann via Internet an Kunden zu verkaufen, die entweder keine Zeit oder zu wenig Geld haben, um einen Fotografen für die gesuchte Fotografie zu beauftragen; genau umge- kehrt also zur typischen Auftragsfotografie.24 Für die Frage der angemessenen Vergütung stellt sich auch hier die Schwierigkeit der Kalkulationsgrundlagen, da von den Microstock-Anbietern idR nicht offengelegt wird, welcher Teil des Abo-Preises auf die Rechteeinräu- mung entfällt und wie viel genau die definitionsgemäß geringeren Herstellungskosten ausmachen. Im Fall von Urheberrechtsverletzungen an von Amateurfotografen hergestellten Lichtbildwerken könnten bei entsprechen- der Darlegung die von Microstock-Agenturen verrechne- ten Lizenzgebühren zur Anwendung kommen; im Bereich der Berufsfotografie geben sie äußerst beschränkt Aus- kunft über die Marktüblichkeit. III. Das angemessene Entgelt für die Nutzung der gegenständlichen Aufnah- men im Internet A. Grundhonorar Im Ausgangsfall wurden 56 digitale Lichtbilder im Inter- net und seinen Diensten genutzt, in concreto auf den Start- und Subseiten der unter der Domain „a-gaudi- muass-sein.at“ erreichbaren Website der Beklagten. Diese Website ist zweisprachig (deutsch/englisch) aufgebaut. Es liegt daher in der Grundstruktur eine Bildnutzung im Internet in Form von Werbung mit bloß regionaler Bedeutung vor. Der Text ist in einer Sprache (deutsch) sowie (auszugsweise) in Englisch verfasst. Angespro- chen werden potenzielle Gäste im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus (weltweit) englischsprachi- ges Publikum. 24 Näher statt vieler Kneschke, Stockfotografie – Geld verdienen mit eigenen Fotos (2010). Entscheidend kommt es ferner auf die Dauer der Abruf- barkeit im Internet und seinen Diensten an. Hier lässt sich aus den bisherigen Unterlagen keine exakte Zeit- dauer objektivieren, sondern lediglich eine Angebots- dauer beginnend von November 2008 bis zur Entfer- nung im Mai 2010 von mehr als einem Jahr, aber unter drei Jahren bestimmen. Die Bildhonorare 2007 sehen dafür („bis 3 Jahre“) ein Nutzungshonorar ohne weite- re Staffelung oder Untergliederung vor.25 Die Fotografi- en liegen unter einer Größe von 10 x 15 cm. Die Qualität der Auflösung erreicht 72 dpi. Unter Zugrundelegung der Bildhonorare 2007 ergibt sich daher ein Grundhonorar pro Foto für eine Bildnut- zung bis drei Jahre in Höhe von € 320,— netto. B. Zuschläge 1. Vergleichbare Fotoproduktionen Aufgrund des Abbildungsformats sowie der zweispra- chig gehaltenen Website, die über eine englischsprachi- ge Ausrichtung verfügt, ist der sog Zuschlag für „eng- lischsprachige Weltrechte“ anwendbar, welcher eine zusätzliche Verwendung in anderen Ländern abgelten soll. Dabei ist ein Zuschlag von 100% marktüblich.26 Die Frage der unterlassenen Herstellungsbezeichnung führt ebenfalls zu einem Zuschlag von 100 %. Für die Marktüblichkeit dieses Zuschlags spielt es keine Rolle, ob die Bilder selbst mit einer Herstellungsbezeichnung versehen waren oder nicht, da es allein auf das Unter- lassenen der Fotografennennung ankommt. Diese Rege- lung nimmt darauf Rücksicht, dass es für den jeweiligen Urheber/Lichtbildhersteller einen Werbewert darstellt, genannt zu werden, der durch Weglassen der Herstel- lerbezeichnung wegfällt. Die jeweils anwendbaren Zuschläge beziehen sich auf das Grundhonorar, sodass eine nach Faktoren unter- schiedene Kategorienbildung vorgenommen werden kann. Kategorie 1: Für drei der 56 Lichtbilder (reine Land- schaftsaufnahmen) ergibt sich daher eine angemessene Gebühr für die Dauer der unbefugten Nutzung mit dem Faktor 3 (300 %) pro Lichtbild. 25 Vgl Bildhonorare 2007, 21. 26 Bildhonorare 2007, 5. ipCompetence Vol. 6

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