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ipCompetence Vol.6

21ipCompetence Vol. 6 21 Bilder sagen mehr als tausend Worte: In der heutigen Zeit ist ein Vortrag ohne begleitende Präsentation, die mittels Beamer oä großformatig, hochauflösend und farbenprächtig an die Wand geworfen wird, fast schon undenkbar geworden. Bilder sind oft ein wesentlicher Faktor, um einer solchen Präsentation den letzten Pfiff zu verleihen. Entsprechendes Bildmaterial aus dem eigenen Fundus ist aber nicht immer vorhanden. Was liegt in dieser Situation näher, als auf das via Internet zugängliche unerschöpfliche Reservoir an Fotografien zuzugreifen? Ob das auch (urheberrechtlich) zulässig ist bzw welche Schranken allenfalls bestehen, dürfte zumindest in nicht wenigen Fällen umgekehrt propor- tional zur Aufmerksamkeit sein, die der Gestaltung der Präsentation geschenkt wird. I. Einleitung Die wissenschaftliche Forschung und Lehre, der Schul- unterricht und – allgemein gesprochen – die Volksbil- dung werden vom Urheberrechtsgesetzgeber in mehrfa- cher Hinsicht besonders begünstigt. So privilegiert § 42 Abs 2 UrhG Vervielfältigungen zu eigenen Forschungs- zwecken, Abs 6 leg cit gestattet unter bestimmten Vo- raussetzungen Vervielfältigungen (und Verbreitungen) zum Zwecke des Schul- und Unterrichtsgebrauchs. In mehreren Bestimmungen wird die Aufnahme von urhe- berrechtlich geschützten Werken in zum Schul- oder Un- terrichtsgebrauch dienende Sammlungen1 bzw Werke2 für zulässig erklärt. Auch der Schulfunk ist urheberrecht- lich begünstigt3 und auch für die Wiedergabe von Film- werken und damit verbundenen Werken der Tonkunst zu Zwecken des Unterrichts bzw der Lehre an Schulen 1 § 45 Abs 1 Z 1, § 51 Abs 1 Z 1 UrhG. 2 § 45 Abs 1 Z 2, § 51 Abs 1 Z 2, § 54 Abs 1 Z 3 UrhG. 3 § 45 Abs 2 UrhG. bzw Universitäten besteht eine freie Werknutzung.4 Auch Nutzungen zu wissenschaftlichen bzw zT auch belehren- den Zwecken werden in mehrfacher Hinsicht begüns- tigt.5 Zu konstatieren ist allerdings, dass die vorstehend nur kursorisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit angesprochenen Vorschriften in ihren Anwendungs- voraussetzungen zT ausgesprochen komplex und den Normadressaten zumindest vielfach auch weitgehend unbekannt sind. Letzteres dürfte in besonderem Ausmaß für die Verwen- dung fremder Fotografien gelten, die insb dann, wenn sie irgendwo im Internet verfügbar und dank diverser Bilder- suchmaschinen auch leicht auffindbar sind, scheinbar als „Freiwild“ angesehen und zur Illustrierung von Vorträ- gen, Vortragsunterlagen, Seminararbeiten usw verwen- det werden. Ob bzw in welchen Grenzen dies zulässig ist, soll im Folgenden untersucht werden. II. Urheberrechtliche Behandlung von Lichtbildern Fotografien blicken hinsichtlich ihrer urheberrechtlichen Behandlung auf eine durchaus bewegte Geschichte zu- rück. Nach der Stammfassung des UrhG kam für Foto- grafien lediglich ein leistungsschutzrechtlicher Schutz als (sog einfaches) Lichtbild iSd §§ 73 ff UrhG, aber kein urheberrechtlicher Schutz in Betracht. Der histori- sche Gesetzgeber ging hierbei noch davon aus, dass in der Aufnahme eines Lichtbilds keine eigentümliche Ge- staltung des Geschauten oder Erlebten liegt, sondern eine mit technischen Mitteln bewirkte bildliche Festle- gung eines Ausschnitts der Außenwelt.6 Erst die UrhG- 4 § 56c UrhG. 5 § 46 Z 1, § 52 Z 3, § 54 Z 3a und Z 4 UrhG. 6 Vgl die Mat zu den §§ 73 ff UrhG, abgedruckt bei Dillenz, Materia- lien zum österreichischen Urheberrecht (1986) 151. Fotografien im Unterricht, bei Seminaren und Tagungen Urheberrechtliche Zulässigkeitsschranken für Vorträge, Handouts und deren Zurverfügungstellung im Internet Stefan Korn

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