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ipCompetence Vol.6

24 ipCompetence Vol. 6 Fall von Personen, unter denen ein über berufliche oder gesellschaftliche Beziehungen hinausgehender, mehr oder weniger ständiger, vertrauter und inniger Kontakt herrscht.27 Dieser von der Rsp geprägte Öffentlichkeitsbe- griff gilt, weil das Urheberrecht ganz allgemein nur einen einheitlichen, von den einzelnen Werkkategorien unab- hängigen Werkbegriff kennt, auch im Zusammenhang mit Lichtbildwerken.28 Hiervon ausgehend wurden zB ein in einem Filmatelier stattfindendes Gschnasfest mit ca 150 bis 160 geladenen Gästen29 , ein Offizierskasino30 , eine Hochzeitsfeier31 oder ein Begräbnis32 als nicht öffentlich qualifiziert. Demgegenüber wurde zB die Wiedergabe von Radiomusik zur Unterhaltung von rund 100 Arbeiterinnen, die nur zum Teil verwandt oder gut befreundet waren, als eine öffentliche Aufführung iSd § 18 Abs 1 und 3 UrhG qualifiziert.33 Ebenso wird im Hinblick auf den ständig wechselnden und untereinander nicht im genannten Sinn persönlich verbundenen Personenkreis zB auch durch ein TV-Gerät in den Allgemeinräumen eines Hotels34 oder ei- nes Altersheims35 , durch eine Hotel-Video-Anlage36 , durch den (nach jüngerer Rsp) TV-Empfang in einem Hotel-Zim- mer37 oder durch die Hintergrundmusik in zB Restaurants, Fitnessstudios und Geschäften eine Öffentlichkeit iSd UrhG erreicht.38 27 RIS-Justiz RS0077202. 28 OGH 16. 12. 2003, 4 Ob 230/03g, Begräbnisfeierlichkeit, MR 2004, 201 (Walter) = ÖBl 2005, 90. 29 OGH 22. 6. 1971, 4 Ob 315/71, Gschnasfest, ÖBl 1971, 160. 30 OGH 15. 5. 1979, 4 Ob 326/79, Fernsehempfang im Offizierskasi- no, ÖBl 1979, 165. 31 OGH 27. 1. 1998, 4 Ob 347/97a, Hochzeitsmusik, MR 1998, 154 (Walter). 32 OGH 16. 12. 2003, 4 Ob 230/03g, Begräbnisfeierlichkeit, MR 2004, 201 (Walter) = ÖBl 2005, 90. 33 OGH 28. 11. 1978, 4 Ob 390/78, Betriebsmusik, ÖBl 1979, 51. 34 OGH 16. 6. 1998, 4 Ob 146/98v, Thermenhotel L, ÖBl 1999, 98. 35 OGH 29. 1. 1974, 4 Ob 344/73, Fernsehempfang im Sozialversi- cherungs-Kurheim, ÖBl 1974, 73. 36 OGH 17. 6. 1986, 4 Ob 309/86, Hotel-Video-Anlage (zT auch mit dem Schlagwort Hilton/Conti), ÖBl 1986, 132. 37 OGH 31. 8. 2010, 4 Ob 120/10s, Thermenhotel L II, MR 2010, 392 (Walter); vgl auch EuGH 18. 3. 2010, C-136/09, OSDD/Divani Ak- ropolis, MR-Int 2010, 123; EuGH 7. 12. 2006, C-306/05, SGAE, MR 2006, 381. 38 Vgl zB OGH 10. 2. 2004, 4 Ob 249/03a, Radiogerät, ÖBl 2004, 226 (Gamerith); OGH 28. 5. 2002, 4 Ob 108/02i, Figurstudio, MR 2002, 236 (Walter); OGH 17. 11. 1970, 4 Ob 350/70 ÖBl 1971, 54; OGH 20. 10. 1966, 9 Os 81/66, Musikautomaten, ÖBl 1967, 44. Auf dieser Basis dürfte zunächst nicht weiter zweifelhaft sein, dass die Teilnehmer einer wissenschaftlichen Fach- tagung, eines Seminars oder einer ähnlichen Veranstal- tung – von Ausnahmefällen abgesehen – ebenso eine Öffentlichkeit iSd § 18 UrhG bilden wie zB die bei der Präsentation eines neuen Produkts anwesenden, unter- einander typischerweise nicht in obigem Sinn verbun- denen Personen (zB Kunden und Konsumenten). Zwar können (natürlich in Abhängigkeit von der Gesamtteil- nehmeranzahl) auch hier zwischen einzelnen Teilneh- mern vereinzelt bzw in untergeordnetem Ausmaß solch persönliche Beziehungen bestehen, die an sich gegen eine Öffentlichkeit sprechen, doch werden diese bei einer Gesamtbetrachtung sowohl individuell wie auch kollektiv in den Hintergrund treten und es wird eine Ver- bundenheit aller Teilnehmer faktisch nie gegeben sein. Auch der Zweck der Zusammenkunft (zB Fortbildung, Produktneueinführung) spricht hier gegen die Annahme einer „privaten“ Veranstaltung. In den genannten Fällen ist daher regelmäßig eine Öffentlichkeit iSd § 18 UrhG gegeben. 3. „Schul- und Universitätsöffentlichkeit“ als Sonderfall? Demgegenüber weit weniger eindeutig wurde unter dem Aspekt der Öffentlichkeit die Wiedergabe urheberrecht- lich geschützter Werke zu schulischen oder universitä- ren Zwecken beurteilt. Nach Walter – der zumindest de lege ferenda der Meinung ist, das Öffentlichkeitserfor- dernis solle im spezifischen Zusammenhalt der Ausbil- dungsgemeinschaften fallen gelassen werden – lässt sich die Frage, ob die Nutzung von Werken in Ausbil- dungsgemeinschaften öffentlich erfolgt, an sich nur im Einzelfall beantworten, allerdings liegt seiner Ansicht nach im Schul- und Unterrichtsbereich idR Öffentlichkeit vor (konkret soll sie an Universitäten, Fachhochschulen, Elementar- und Berufsschulen immer, bei allgemein bil- denden höheren Schulen regelmäßig gegeben sein).39 Zu zumindest weitgehend ähnlichen Ergebnissen kom- men auch Olensky40 und Streit/Jung.41 Demgegenüber vertritt zB Ciresa die Ansicht, dass „für Schulen und Fachhochschulen aufgrund der personellen und zeit- lichen Kontinuität der anwesenden Schüler und deren 39 Walter, Österreichisches Urheberrecht Bd 1 (2008) 327 Rz 641 f; ders, Die öffentliche Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Werke in Schulen und Universitäten, ZfRV 2008, 114 (114 ff). 40 Olensky, Der Film in Unterricht und Bildung, in Wittmann/Gottschalk, Film- und Videorecht (1990) 93 (99). 41 Streit/Jung, Zur öffentlichen Wiedergabe von Filmwerken im Unter- richt, MR 2008, 79.

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