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ipCompetence Vol.6

55ipCompetence Vol. 6 Das Motiv prägt die Fotografie. Da die meisten Fotogra- fien durch das Urheberrecht als Lichtbildwerke – oder zumindest als Lichtbilder – geschützt sind, liegt die Fra- ge nahe, ob dieser prägende Bestandteil selbst einen urheberrechtlichen Schutz genießt. Oder müssen Moti- ve prinzipiell jedem frei zugänglich bleiben? Eine Fotografie1 ist eine Aufnahme durch ein optisches Verfahren auf einem lichtempfindlichen Medium,2 gleich- viel ob frisch vermählte Paare, gebrochene Schienbeine mittels Röntgenbilder3 oder Straßenzüge um Straßen- züge systematisch (für Google Street View4 oder für Microsofts Bing Streetside5 ) aufgenommen werden. Die Fülle an vorhandenen Fotografien kann man nach vielen Kriterien einteilen, etwa nach dem Ort (zB Luftbild-, Straßen-, Unterwasser- und Weltraum- fotografie) oder nach dem Zweck der Aufnahmen (zB analytische,6 Dokumentar-,7 künstlerische, Presse-, 1 Der Begriff Fotografie kommt von den griechischen Wörtern „fotos“ („Licht“) und „grafos“ („schreiben“). 2 The New Encyclopædia Britannica Vol 25 (2007) 761. 3 Diese werden nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken (insb Medizin, Archäologie und Geologie) verwendet, sondern auch zu künstlerischen, siehe zB Nick Veasey; vgl www.nickveasey.com (Stand 10. 10. 2011). 4 Vglmaps.google.de/intl/de/help/maps/streetview(Stand:10.10.2011). 5 Vgl www.bing.com/maps/explore (Stand 10. 10. 2011). 6 Die analytische Fotografie dient Orientierungs- und Messaufgaben. 7 DieseAufgabewurdederFotografieschonsehrfrühzugedacht,sobe- auftragte Frankreich 1851 die damals bekanntesten Fotografen (zB Édouard-Denis Baldus und Hippolyte Bayard), ein nationales Denk- malarchiv zu schaffen. Nur wenig später begann die sozialdokumen- tarische Fotografie; vgl Annan, Photographs of the Old Closes and Streets of Glasgow, 1868–77 (1880); Thomson/Smith, Street Life in London (1877). Wie vielfältig dieser Bereich ist, kann man zB daran ersehen, dass auch Zielfotografien dazu zählen, mit denen Einlaufrei- henfolge und -zeiten der Sportler zweifelsfrei festgehalten werden. Reportage-,8 Werbe-, Wissenschaftsfotografie,9 Luftbild- archäologie10 und Digitalisierung von Bibliotheken11 ).12 Von besonderem Interesse ist hier das Kriterium des Mo- tivs; demnach kann man zB zwischen Akt-, Architektur-, Einsatz-,13 forensischer,14 Landschafts-, Portrait-,15 Pro- dukt-,16 Reise-, Kriegs-, spiritistischer,17 Sport-, Tier- und Veranstaltungsfotografie18 unterschieden.19 8 Fotografien von Unglücksfällen oder naturwissenschaftliche Berichte für Zeitungen und Zeitschriften (zB National Geographic Magazin). 9 ZB die Ablichtung von Krankheitssymptomen für die medizinische Li- teratur und die systematische Ablichtung von Galaxien durch das Hub- ble-Weltraumteleskop zu weiterführenden astronomischen Analysen. 10 Zur Suche nach oder die Untersuchung bereits bekannter archäolo- gischer Überreste aus größerer Höhe, die von Luftfahrzeugen fest- gehalten werden. 11 Mit der Intention, den Inhalt alter Bücher und Schriftrollen aus Pa- pyrus- oder Pergamentbahnen trotz des physischen Verfalls (oder sonstiger möglicher Vernichtung zB durch Brand) zu erhalten und auch die Verfügbarkeit und Bearbeitbarkeit deutlich zu verbessern. 12 Daneben bestehen zahlreiche andere Unterscheidungskriterien, zB Auftrags- und Stockfotografie. Bei Letzterer werden die Fotografien auf Vorrat („to have in stock“) produziert, um sie dann an Kunden (idR mittels Bildagentur) zu verkaufen. 13 Fotografiert werden Einsatzkräfte (zB Feuerwehr) bei der Arbeit, also in Notfall- und Einsatzszenarios. 14 Forensische Fotografie dient der Dokumentation von Verletzungen und Tatorten. 15 ZB für Lichtbildausweise, Wahlplakate oder zu Werbezwecken. 16 ZB Mode- und Lebensmittelfotografie. 17 Fotografieren sog übersinnlicher und paranormaler Phänomene. 18 Das umfasst öffentliche Ereignisse (zB Popkonzerte und Wahl- kampfveranstaltungen) ebenso wie private Veranstaltungen (zB Hochzeiten und Kindergeburtstagsfeiern). 19 Die Grenzen sind dabei fließend, als Beispiel seien die Werbefoto- grafien Oliviero Toscanis für Benetton von 1984 bis 2000 genannt, die nicht nur für die Produkte warben, sondern auch künstlerische und sozialdokumentarischen Funktionen erfüllten, indem sie auf Missstände (HIV, Krieg und Pflichtzölibat) hinwiesen. 55 Fotomotiv–Schutz oder Freiheit? Urheberrechtlicher Motivschutz bei FotografienChristian Handig

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