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ipCompetence Vol.6

56 ipCompetence Vol. 6 I. Schutz & Voraussetzung A. Lichtbildwerke Diese verschiedenen Kriterien sind aber aus urheber- rechtlicher Sicht nicht maßgeblich, was sich auch aus den jüngsten Schlussanträgen der Generalanwältin im Verfahren Painer v Standard ergibt, wonach neben „künstlerischer Qualität oder einer Neuheit, auch der Zweck der Gestaltung sowie Aufwand und Kosten […] unbeachtlich“ 20 sind. Worauf kommt es dann an? Um diese Frage beantwor- ten zu können, richtet sich der Blick auf das Schutzziel des Urheberrechts: Dieses schützt bei Fotografien einer- seits Lichtbildwerke und andererseits Lichtbilder. Licht- bildwerke müssen „individuelle Werke in dem Sinne darstellen, dass sie das Ergebnis der eigenen geistigen Schöpfung ihres Urhebers“ sind.21 Sind die Fotografien nicht hinreichend originell,22 so sind deren Hersteller23 dennoch durch ein Leistungsschutzrecht geschützt,24 dessen Schutzumfang geringer ist.25 Zum Verhältnis der beiden Rechte zueinander ist anzumerken, dass Licht- bildwerke auch gleichzeitig den Schutz für Lichtbilder genießen.26 20 Schlussanträge der GA Verica Trstenjak v 12. 4. 2011, C-145/10, RN 123, Painer v Standard ua. 21 Art 6 RL 2006/116/EG über die Schutzdauer des Urheberrechts und bestimmter verwandter Schutzrechte (SchutzdauerRL), ABl L 2006/372, 12, davor RL 93/98/EW, ABl L 1993/290, 9. 22 Den Unterschied zwischen „Lichtbild“ und „Lichtbildwerk“ macht „insb die der Persönlichkeit des Künstlers entstammende Eigen- art und ein gewisses Maß an Originalität“ aus; OGH 12. 10. 1993 4 Ob 117/93, Radwanderführer/Radwanderkarte, ecolex 1994, 183 = MR 1994, 70 und OGH 17. 12. 2002, 4 Ob 274/02a, Felsritzbild, ecolex 2004/20 (Schumacher) = MR 2003, 162 (Walter). 23 Beim Lichtbild wird nicht dem Urheber, sondern dem Hersteller ein Leistungsschutz im Umfang des § 74 UrhG eingeräumt. 24 Auch Lichtbildwerke sind als Lichtbilder geschützt, der Schutz ist parallel anzuwenden; vgl zB Walter, Österreichisches Urheberrecht I (2008) RN 205, 1596 f; Handig, Lauter Lichtbildwerke! ÖBl 2009, 8 (9 f). 25 Ein praktisch bedeutsamer Unterschied ist die unterschiedliche Schutzdauer, diese beträgt bei Lichtbildern nicht 70 Jahre ab Tod des Urhebers, sondern erlischt 50 Jahre nach der Aufnahme; wenn aber das Lichtbild vor dem Ablauf dieser Frist veröffentlicht wird, 50 Jahre nach der Veröffentlichung; § 74 Abs 6 UrhG. 26 Vgl zB Walter, Österreichisches Urheberrecht I (2008) RN 205, 1596 f; Handig, Lauter Lichtbildwerke! ÖBl 2009, 8 (9 f) Ein Lichtbildwerk liegt nach Auffassung der nationalen Rsp selbst bei „alltägliche[n], übliche[n] Landschafts-, Porträt- oder Werbeaufnahmen [vor], wenn in ihnen eine visuelle Gestaltung durch den Fotografen zum Ausdruck kommt, mögen sie sich im Ergebnis auch kaum von ähn- lichen Lichtbildern anderer Fotografen unterscheiden“.27 Selbst den Fotografien der „Masse der Amateurfotogra- fen, die alltägliche Szenen in Form von Landschafts- fotos, Personenfotos oder Urlaubsfotos“28 abbilden, kommt demnach Werkcharakter zu. Ähnlich fordert der BGH auch nur „ein Mindestmaß an persönlicher geisti- ger Leistung, wie es in der Regel schon bei einfachen Fotografen gegeben ist“.29 Aber nicht nur Fotografien, sondern auch die darauf abgebildeten Motive können durch das Urheberrecht geschützt werden, stellte doch der BGH zur sehr ähn- lichen deutschen Rechtslage fest: „Denkbar ist viel- mehr auch, dass die in einem Lichtbildwerk verkörper- te schöpferische Leistung dadurch übernommen wird, dass das fotografierte Objekt nachgestellt und erneut fotografiert wird“.30 Um die Frage zu klären, in wel- chen Fällen dies zutrifft, sind daher die Elemente von Lichtbildwerken näher zu betrachten. 27 OGH 12. 9. 2001, 4 Ob 179/01d, Eurobike, GRUR Int 2002, 865 (Walter) = MR 2001, 389 = ÖBl 2003, 39 (Gamerith). In diesem Sinn auch zB A. Nordemann in Loewenheim, Handbuch des Ur- heberrechts § 9 RN 149; aA Loewenheim in Schricker, Urherber- recht3 (2006) § 2 RN 179. 28 OGH 12. 9. 2001, 4 Ob 179/01d, Eurobike, GRUR Int 2002, 865 (Walter) = MR 2001, 389 = ÖBl 2003, 39 (Gamerith); OGH 16. 12. 2001, 4 Ob 221/03h, Weinatlas, MR 2004, 117 (Walter). 29 BGH 3. 11. 1999, I ZR 55/97, Werbefotos, GRUR 2000, 317 = MMR 2000, 218 = NJW-RR 2000, 343 = WRP 2000, 203 = ZUM 2000, 233; BGH 8. 11. 1989, I ZR 14/88, Bibelreproduktion, GRUR 1990, 669, 673 = MDR 1990, 697 = NJW-RR 1990, 1061 = ZUM 1990, 354; BGH 10. 10. 1991, I ZR 147/89, Bedienungs- anweisung, GRUR 1993, 34 (35) = MDR 1992, 658 = NJW 1992, 689 = WRP 1992, 160 = ZUM 1992, 427. AA aber zB Schack: „Die meisten Fotografien erreichen die Schutzschwelle der persön- lichen geistigen Schöpfung nicht und erheben auch keinen künstle- rischen Anspruch“, wofür das Leistungsschutzrecht besteht; ders, Kunst und Recht2 (2009) RN 858; aber auch Bullinger/Bretzel/ Schmalfuß, Urheberrecht in Museen und Archiven (2010) 28. 30 BGH 5. 6. 2003, I ZR 192/00, Rz 32, Hundertwasser-Haus, AfP 2003, 543 = GRUR 2003, 1035 = IIC 2004, 351 = MR 2003, 156 = NJW 2004, 594 = wrp 2003, 1460 = ZUM 2003, 955.

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