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ipCompetence Vol.6

58 ipCompetence Vol. 6 handwerkliche42 oder künstlerische Aspekte hinzutre- ten.43 Ebenso kann die Fotografie auch durch Nachbear- beitung deutlich an Originalität gewinnen.44 Letzteres ist mit der Verbreitung der digitalen Fotografie in vielen kom- merziellen Bereichen üblich geworden und wird auch im künstlerischen Bereich genutzt. Aber bei der Masse der alltäglichen Fotografien (wie einfachen Urlaubsschnapp- schüssen) beschränkt sich die Nachbearbeitung auf die schlichte Beseitigung des Rote-Augen-Effekts45 . Da diese ohne fundierte handwerkliche Fähigkeiten, künstle- rische Motivation oder gestalterische Nachbearbeitung erzeugt werden, sind diese zusätzlichen Aspekte auch für die Frage der Schutzfähigkeit von Motiven, also des 42 ZB umfassende technische Ausstattung und Kenntnisse, eine Viel- zahl von Aufnahmen (so werden für einen Artikel im National Geo- graphic Magazine tausende Aufnahmen gemacht, aus denen dann ca zehn ausgewählt werden). 43 Ausführlich dazu A. Nordemann, Die künstlerische Fotografie als urheberrechtlich geschütztes Werk (1992) 137 ff. 44 So können nicht nur technische Unzulänglichkeiten (zB Unschärfe) und unerwünschte Details (zB Hautunreinheiten, Augenringe oder Pigmentflecken) ausgebessert werden, sondern auch Spezialeffek- te oder das Kombinieren verschiedener Fotografien (Composing) durchgeführt werden. Die Digitaltechnik hat die Möglichkeiten der Nachbearbeitung deutlich erweitert; vgl Hempel, Technische und wirtschaftliche Grundlagen in Hoeren/Nielen, Fotorecht (2004) 44. 45 Der Begriff bezeichnet den Effekt bei Fotografien, dass Pupillen unter bestimmten Voraussetzungen (insb Verwendung eines Blitz- lichts und Blick direkt in die Kamera) rot dargestellt werden. prägenden Bestandteils von Fotografien, weder notwen- dig noch relevant. Diese können sich nur auf den Umfang des Schutzes iS eines beweglichen Systems auswirken. Dabei ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass der EuGH die Auffassung der österreichischen und der deutschen Rsp teilt, zumal nach den Schlussanträgen „die Anforde- rungen für eine urheberrechtliche Schutzfähigkeit einer Fotografie nach Art 6 SchutzdauerRL nicht allzu hoch“ seien.46 II. Begriff & Inhalt Der Inhalt des Begriffs „Motiv“ ist nicht eindeutig.47 Zum einen wird darunter nur das abgebildete Objekt verstan- den, zum anderen werden auch andere Elemente der Abbildung wie insb ein besonderer Blickwinkel und -aus- schnitt inkludiert. Freilich sind diese Elemente bei der 46 Als Quelle zitiert die GA dazu nur aus zwei Lehrmeinungen deut- scher Professoren, was für eine autonome und europäische Ein- schätzung recht kurz greift; die Erwähnten sind A. Nordemann in Loewenheim, Handbuch des Urheberrechts2 (2010) § 9 RN 149 und Leistner, Copyright Law in the EC: Status quo, recent case law and policy perspectives, Common Market Law Review 2009, 847 (849 f); Schlussanträge der GA Verica Trstenjak v 12. 4. 2011, C-145/10, RN 124, Painer v Standard ua. 47 Ein undifferenzierter Vergleich mit anderen künstlerischen Elemen- ten wie zB Stil und Manier, die urheberrechtlich nicht schützbar sind, wird dem mE nicht gerecht; so aber OLG Hamburg 29. 6. 1995, 3 U 302/94, Troades, ZUM-RD 1997, 217.

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