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ipCompetence Vol.6

60 ipCompetence Vol. 6 möglich,58 weil Fotografieren zur Vervielfältigung eines dreidimensionalen Objekts in einem zweidimensionalen Bild führt. Deshalb müssen ein Winkel und idR auch ein Ausschnitt gewählt werden.59 Damit liegen aber notwendigerweise die wesentlichen Elemente vor, auf die sich die Masse nicht berufsmä- ßig fotografierender Personen beschränkt. Schließlich braucht es nach Auffassung der Rsp nur eine Unter- scheidbarkeit zur Erlangung des Werkcharakters.60 Wer- den durch einen neuen Fotografen diese wesentlichen Kriterien übernommen, so enthält die neue Fotografie die prägenden Bestandteile der bestehenden Fotografie und daher ist eine solche Aufnahme im Ergebnis einer unmittelbaren Vervielfältigung der Vorlage ähnlich.61 C. Kombination mehrerer Objekte Der Gestaltungsraum wird deutlicher größer, wenn nicht bloß eine Perspektive eines Objekts, sondern eine Kom- bination von Objekten fotografiert wird. Dies mag in man- chen Fällen an den Unzulänglichkeiten des Fotografie- renden oder an nicht (bzw schwer) zu überwindenden Gegebenheiten liegen, zB wird das eigentliche Objekt, eine touristische Sehenswürdigkeit, durch parkende Kraftfahrzeuge und Passanten teilweise verdeckt. In vielen Fällen werden die Kombinationen aber auch dem Wunsch des Fotografierenden entspringen, zB wird eine touristische Sehenswürdigkeit mit Freunden abgebildet. 58 Es gibt zwar eine Form von Fotografie, die umgangssprachlich als „3D-Fotografie“ bezeichnet wird, tatsächlich sind derartige „Ste- reoskopien“ aber nur zweidimensionale Abbildungen, die lediglich einen räumlichen Eindruck vermitteln. Selbst bei mit Computern animierten Visualisierungen werden letztlich immer nur einzelne zweidimensionale Bilder erzeugt, die lediglich einen räumlichen Eindruck erwecken. 59 Dieser Unterschied wird zB im Urheberrecht des Vereinigten Kö- nigreichs berücksichtigt, wonach jede Fotografie dreidimensionaler Objekte ein Werk darstellt, wogegen es bei der Ablichtung zweidi- mensionaler Objekte der Absicht des Fotografen „to stamp his own personality and taste on the finished product“ bedarf, um ein Werk zu erzeugen; Bainbridge, Intellectual Property6 (2007) 38. 60 ZB OGH 12. 9. 2001, 4 Ob 179/01d, Eurobike, GRUR Int 2002, 865 (Walter) = MR 2001, 389 = ÖBl 2003, 39 (Gamerith); OGH 20. 6. 2006, 4 Ob 47/06z, Werbefoto, MR 2007, 28 (Walter) = ÖBl 2007/8, 37 (Fallenböck); OGH 11. 3. 2008, 4 Ob 170/07i. 61 AA Huttenlauch: „Kein Sujet der bildenden Kunst, sei es so ori- ginell, lässt sich monopolisieren und ist daher nicht schützbar“; Huttenlauch, Appropriation Art – Kunst an den Grenzen des Urhe- berrechts (2010) 113. In der deutschen Rsp wurde in einigen Fällen danach un- terschieden, ob die Kombination der Objekte (bzw das Arrangement) vorgefunden oder durch den Fotografen selbst gestaltet wurde.62 Während das Motiv im ersteren Fall nicht schützbar sein soll, soll es im zweiten Fall an- ders sein.63 1. Vorbestehende und fotobestimmte geschaffene Werke Abgesehen davon, dass auch – wie erwähnt – einzel- ne Elemente Werkcharakter haben können, kann auch einer Kombination mehrerer Objekte ein selbstständiger Werkcharakter zukommen.64 Gemäß den europäischen Vorgaben trifft dies auf alles zu, was eine hinreichend originelle „eigene geistige Schöpfung ihres Urhebers“ darstellt.65 Dies kann bei Personen auch eine Choreo- graphie sein, wie im Fall der „Klammerpose“: Auf der Fotografie sieht man die Rückansicht eines Mannes mit (durch den gewählten Bildausschnitt) abgeschnittenen Armen, Beinen und Kopf in der Körperhaltung im Stil der Christus-Statue in Rio de Janeiro. Eine Frau umklammert den Mann mit ihren Beinen und blickt oberhalb der Tail- le in Richtung des Bildbetrachters. Diese Szene wurde nachgestellt und für eine Zeitschrift fotografiert. Nach- dem die deutschen Gerichte in den vorgelegten Bildern zu modernen Choreographien weder annähernd gleiche oder gar identische Klammerposen erkennen konnten, sahen sie in dieser weitgehenden66 Nachstellung der Pose eine unfreie Bearbeitung und in der Folge einen 62 Hüper, Zum Schutz vor Nachfotografie und Nachbildungen von ur- heberrechtlich geschützten Fotoaufnahmen, AfP 2004, 511 (512 f). 63 Problematisch ist an diesem Kriterium, dass das Vorliegen eines Arrangements nicht ohne Weiteres ersichtlich ist und deshalb im Verfahren idR auf die Aussage einer Partei zurückgegriffen werden muss; so zutreffend Hüper, Zum Schutz vor Nachfotografie und Nachbildungen von urheberrechtlich geschützten Fotoaufnahmen, AfP 2004, 511 (512). 64 Auch nach Schack kann dem arrangierten selbst Werkcharakter zukommen; ders, Kunst und Recht2 (2009) RN 841. 65 Handig, Is the Term “Work” of the CDPA 1988 in Line with the European Directives? European Intellectual Property Report (EIPR) 2010, 53 (54 f); ders, The Copyright Term “Work” – A Eu- ropean Harmonisation at an Unknown Level, International Review on Intellectual Property and Competition Law (ICC) 2009, 665 (670 ff). 66 Die abgebildeten Personen waren andere, der Oberkörper des Mannes war in der Nachstellung nackt und die Frau blickte von der anderen Seite den Betrachter an.

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