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ipCompetence Vol.6

61ipCompetence Vol. 6 61 unzulässigen Eingriff.67 Der Schutzgegenstand ist nach dieser Argumentation die neue Choreographie und nicht das Motiv, obwohl sich dafür Elemente wie zB der Bild- ausschnitt angeboten hätten. 2. Vorgefundene Objekte Wenn sich der Schutz eines Motivs nicht daraus ergibt, dass dieses vom Fotografen geschaffen wurde, so kann sich der Schutz – insb bei vorgefundenen Werken – nur aus dem Werkcharakter der Fotografie selbst ergeben. Die grundsätzliche Überlegung, verschiedene Objekte gemeinsam auf einer Fotografie abzubilden, wird da- bei wohl noch nicht hinreichend originell genug sein. Im Übrigen bestehen in der Lehre massive Bedenken, gemeinfreien Motiven, Landschaften, Städteansichten, Straßenzügen oder an öffentlichen Plätzen gelegenen Bauwerken Werkcharakter zuzuerkennen, um eine Mo- nopolisierung zu unterbinden.68 Im Hinblick auf solche Motive wird zuweilen auch ins Treffen geführt, dass diese nicht (mehr) urheberrechtlich geschützte Werke zeigen.69 Diese Auffassung verkennt jedoch den Unterschied zwischen den abgebildeten Ob- jekten und der Fotografie selbst, die an sich ein Werk (bzw Gegenstand eines Leistungsschutzrechts) ist.70 Für Letzteres zählt nur das fotografische Ergebnis. Aus rechtspolitischer Sicht ist aber zuzustimmen, dass ein starkes und berechtigtes Freihaltungsbedürfnis der Allgemeinheit besteht, Kombinationen vorgefundener Objekte nicht durch urheberrechtliche absolute Aus- schließungsrechte einzuschränken. Dieses Ergebnis ergibt sich mE auch aus folgender Überlegung: Motive sind nur als prägende Elemente von Lichtbildwerken mit Blickwinkeln auf bestimmte Objekte bzw Szenen geschützt, daher kann der urhe- 67 LG Köln und OLG Köln 5. 3. 1999, 6 U 189/97, Klammerpose, AfP 2000, 212 = GRUR 2000, 43 = ZUM-RD 1999, 223. 68 Franzen/von Olenhusen, Lichtbildwerke, Lichtbilder und Fotoimita- te — Abhängige Bearbeitung oder freie Benutzung? UFITA 2007, 435 (436). 69 Dazu zB Heitland, Der Schutz der Fotografie im Urheberrecht Deutschlands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Ame- rika (1995) 100. 70 Diese Voraussetzung ist bei Leistungsschutz ausübender Künst- ler notwendig; vgl § 66 Abs 1 UrhG (bzw ErwGr 9 Schutzdauer- RL 2009/116/EG iVm Art 2 lit a WIPO-Vertrag über Darbietungen und Tonträger). berrechtliche Schutz nur dort eingreifen, wo diese Ele- mente der Perspektive (Blickwinkel und -ausschnitt) mit übernommen werden. Die bloße Idee, eine bestimmte Kombination vorgefundener dreidimensionaler Objekte für die zweidimensionale Darstellungsform der Fotogra- fie auszuwählen,71 ist noch nicht hinreichend originell, um eine urheberrechtliche Schutzwürdigkeit zu be- gründen.72 III. Schutz & Umfang Bei Fotografien sind grundsätzlich zwei Formen des Ein- griffs denkbar. Dies ist zum einen die Vervielfältigung73 unter Zugrundelegung der Vorlage als technisches Aus- gangsmaterial, zB durch Kopieren oder Abfotografie- ren74 . In diesen Fällen stellt sich jedoch die Frage nach dem Schutz des Motivs nicht. Von Interesse sind daher andere Möglichkeiten wie insb das Nachstellen der Sze- ne und eine neuerliche Fotografie nach der Vorlagefoto- grafie. Auch hier ist das Ergebnis im „Idealfall“ eine per- fekte Vervielfältigung. Der Umstand, dass diese Art der Vervielfältigung mit wesentlich mehr Aufwand verbunden ist als die einfache mechanische oder digitale Kopie, ist für die urheberrechtliche Bewertung als Vervielfältigung unbeachtlich. Trifft der Idealfall aber nicht zu, sondern wird die Vorlage nur unvollständig75 nachgestellt, so ist dies iSd österrei- chischen Urheberrechts von besonderem Interesse: Ent- 71 Nur die nachgestellte Fotografie des dreidimensionalen Objekts kann wieder einen Eingriff darstellen. 72 ME liegt bei der Klammerpose auch diese Kombination vor; vgl LG Köln und OLG Köln 5. 3. 1999, 6 U 189/97, Klammerpose, AfP 2000, 212 = GRUR 2000, 43 = ZUM-RD 1999, 223. 73 § 15 UrhG. 74 Nicht selten werden Fotografien für die Veröffentlichung in Zei- tungen bearbeitet, weil hier schnell auf das vorhandene, oft dürf- tige Material zurückgegriffen wird, um tagesaktuelle Geschehnisse (zB Passfotografien von Opfer von Gewaltverbrechen) möglichst schnell zu illustrieren. 75 Unabhängig davon, ob dies aufgrund eines bewussten Willensakts oder infolge von Unzulänglichkeiten erfolgt. „Der urheberrechtliche Schutz von Motiven kann nur dort eingreifen, wo das Motiv mit den Elementen der Perspektive (Blickwinkel und -ausschnitt) übernommen wurde.“

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