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ipCompetence Vol.6

64 ipCompetence Vol. 6 B. Ungewöhnliche Vervielfältigungen Eine Vervielfältigung kann durch verschiedene Arten erfolgen. Aus urheberrechtlicher Sicht ist es aber uner- heblich, ob der Eingriff in das Verwertungsrecht der Ver- vielfältigung manuell, maschinell oder in einem anderen Medium, zB in gemalter Form, erfolgt.89 Folgerichtig sah ein deutsches Gericht in der werkgetreuen Übernahme des Inhalts einer Fotografie eines Altars einer zerstörten Kirche in Dubrovnik 1992 mit zwei Soldaten90 in ein Öl- gemälde durch Ulrich Lamsfuß91 eine Vervielfältigung.92 So auch bei der Fotografie von zwei unbekleideten Mo- dellen.93 In den USA94 wurde ein Verfahren über eine teil- weise Übernahme eines Motivs einer Fotografie für eine Modezeitschrift in ein Gemälde „Niagara“ von Jeff Koons entschieden.95 So auch im Fall des bekannten Plakats „HOPE“ für Barack Obama, das ebenfalls nach einer Fotografie gemalt wurde.96 Es bestehen aber noch weitere Möglichkeiten der Ver- vielfältigung wie der dreidimensionale Nachbau des Motivs einer Fotografie. Das kann eine nur kurzfristige Nachstellung der Szene zum Zweck einer neuerlichen 89 Jacobs, Photografie und künstlerisches Schaffen, in Westermann/ Rosener, FS Quack (1991) 33 (39). 90 Vom Fotografen Hans Madej in der Zeitschrift Geo. 91 Lamfuß ist ein Appropriation Artist, der nach Fotografie malt, wobei er diese selbst herstellt oder aus Zeitungen, Zeitschriften und der Werbung übernimmt, wie zB die Fotografie eines Fluss-/Nilpferds von Frans Lanting aus der Zeitschrift National Geographic Maga- zine 2004; siehe zB www.maxhetzler.com > Exhibitions > Ulrich Lamsfuß (Stand 10. 10. 2011). 92 So das AmtsG Hamburg 27. 1. 2004, 36A C 2781/03; so gemäß Huttenlauch, Appropriation Art – Kunst an den Grenzen des Urhe- berrechts (2010) 196 ff. 93 LG Hamburg 12. 6. 1992, 324 O 697/91, Hubschrauber mit Damen. 94 Bereits 1966 wurde Andy Warhol wegen der Übernahme des Motivs für sein Werk „Flowers“ (1964) von der Fotografin Patricia Caulfield geklagt; das Verfahren wurde jedoch mit einem Vergleich beendet. 95 Diese Vervielfältigung der Fotografie von Andrea Blanch wurde als zulässig iS von „fair use“ angesehen; United States Court of Appeals, Second Circuit 16. 11. 2006, Dockets No 05-6433-cv, Andrea Blanch v Jeff Koons, The Solomon R Guggenheim Found- ation and Deutsche Bank. 96 Das Werk wurde von Shepard Fairey nach einer Fotografie von Mannie Garcia gemalt. Im Verfahren wurde die Vervielfältigung als durch „fair use“ gerechtfertigt angesehen; Shepard Fairey, Obey Giant Art Inc v The Associated Press, US District Court New York, No. 09-CV-1123. Fotografie sein oder aber der Nachbau in Form eines dreidimensionalen Objekts. Letzteres hat der BGH an- lässlich des Nachbaus der Comic-Figur „Idefix“97 als dreidimensionale Figur grundsätzlich als eine Form der Vervielfältigung angesehen.98 Die Nachstellung der Szene kommt va im künstlerischen Bereich99 vor und stellt eine Praktik des Fotorealismus100 und der Appropriation Art dar, die auch schon zu urhe- berrechtlichen Verfahren führte: So hatte der Künstler Jeff Koons101 das Motiv von Art Rogers Schwarz-Weiß- Fotografie in Farbe nachgebaut.102 Die Fotografie zeigt eine Frau und einen Mann mit jeweils vier Welpen auf ihrem Schoß, auf einer Bank nebeneinander sitzend und den Betrachter anlächelnd. In einem Verfahren in den USA wurde dies als eine urheberrechtliche (und unzulässige)103 Vervielfältigung betrachtet.104 Auch in Deutschland beschäftigten solche Vervielfäl- tigungen die Gerichte: So wurde zB jüngst nach Peter 97 Die bekannte Hundefigur des Zeichners Albert Uderzo aus der Co- micserie Asterix. 98 BGH 8. 7. 2004, I ZR 25/02, RN 5, Hundefigur, GRUR 2004, 855 = GRUR Int 2005, 340 = NJW-RR 2004, 1629 = wrp 2004, 1293 = ZUM 2004, 748. 99 Insb mit Hilfe von Glasfasern und Polyesterharzen, zB Duane Hanson „Supermarket Lady“ (1970) aus Fiberglas und Polyester mit originaler Kleidung in Lebensgröße. 100 Der Foto- bzw Hyperrealismus entstand Ende der 60iger Jahre, wobei natürliche Darstellungen idR anhand von Fotografien repro- duziert werden (zB Chuck Close und Duane Hanson); Brockhaus, Enzyklopädie21 (2005) Bd 9, 529. 101 Jeff Koons hat sich selbst von der Bezeichnung „Appropriation Art“ distanziert, weil er sich im Gegensatz zu anderen Appropriationis- ten stets um die Beschaffung der Rechte an seinen Vorlagen be- müht; Huttenlauch, Appropriation Art – Kunst an den Grenzen des Urheberrechts (2010) 70. 102 Art Rogers Werk trägt den Titel „Puppies“ (1980-1984), Jeff Koons Werk trägt den Titel „String of Puppies“ (1988). 103 Nach Auffassung der Gerichte lagen die Voraussetzungen für „fair use“ Privilegierung nicht vor. Die Entscheidung wurde stark kritisiert. In einem späteren Rechtstreit wurde (auch nach einem wesentlichen Erkenntnis des Supreme Courts) das Vorliegen der Voraussetzung für „fair use“ gesehen; vgl United States Court of Appeals, Second Circuit 25. 10. 2006, Docket No 05-6433-cv, Andrea Blanch v Jeff Koons. 104 United States Court of Appeals, Second Circuit 2. 4. 1992, Do- ckets No 91-7396, 91-7442 und 91-7540, 960 F.2d 301 (2nd Cir 1992), Jeff Koons v Art Rogers, Sonnabend Gallery Inc.

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